Baltic summer of beatpoetry

Last year I performed twice with the Danish beatpoet Claus Høxbroe and the pianist Oscar Gilbert in Berlin and Kiel, Germany. The literature venue Literaturhaus Schleswig Holstein has now invited the two to participate in their annual festival “Summer of literature” focussing on Danish literature. They will perform four times and I will join them twice as translator / performer. There will be new texts from Claus’ recent “Duerne lurer fra oven” and some unpublished work plus of course NEW Translations, fresh impros, and a lot of Jazz. Plus we’re currently working on a surprise!

Spread the word, come by and let’s have some great nights of beatpoetry!

Check out the dates and Facebook-Events:

18th August 2015 in Kiel-Friedrichsort, w. translation

19th August 2015 in Eckernförde, danish only

20th August 2015 in Flensburg, danish only

21th August 2015 in Friedrichsstadt, w. translation

 

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Yahya Hassan und Die Angst nichts und niemandem vertrauen zu können

Seit dem Erscheinen seines Gedichtbandes “Yahya Hassan” im Jahr 2013 ist der Dichter Yahya Hassan ein Phänomen in Dänemark. Mit einer unglaublichen Energie hat er Gedichte geschrieben, die er landauf und -ab seinen Zuhörer_innen und Leser_innen entgegen schmetterte. Heute ist der 19-jährige Dichter nicht mehr aus der dänischen Öffentlichkeit wegzudenken, sein erster Gedichtband wurde über 100000-mal verkauft und nun nutzt er seine Bekanntheit, um Missstände in der dänischen Gesellschaft anzusprechen.

Seine Gedichte und Aussagen im Fernsehen, die sich unter anderem durch eine nie zuvor von einem Muslim gesehene Kritik an anderen Muslimen und dem Islam auszeichnen, sorgten für heftige Reaktionen und Drohungen. Letztlich führten sie sogar dazu, dass Hassan seit 2013 rund um die Uhr von Leibwächtern des dänischen Inlandsnachrichtendienstes PET bewacht wird. Der soziale Brennpunkt Trillegården in Århus in dem Hassan groß geworden ist, rückte in den Fokus der Öffentlichkeit und der ‘antiislamische’ Dichter wurde schnell vom rechten Flügel in Dänemark als Posterboy der Islamkritik auserkoren.

Instrumentalisieren lassen will sich Hassan jedoch nicht, schließlich geht es in seinen Texten nicht um eine Fundamentalkritik des Islam, sondern vielmehr um eine Auseinandersetzung mit seiner Herkunft in einem Umfeld, in dem Hassan viel Heuchelei und Scheinheiligket begegnet ist. Nach außen wird der Glauben gepredigt, doch hinter dem Rücken verliert der Glauben und die damit einhergehenden Werte an Bedeutung.

Der 19-jährige Dichter Yahya Hassan sorgt für Aufruhr in Dänemark. Foto: Wikimedia

Die Vertreter des rechten Flügels in Dänemark hingegen, die Yahya Hassan mit dem Erscheinen seines Buches gleich vereinnahmen wollten, dürften sich heute gehörig auf die Zunge beißen, denn Hassan macht keine Kompromisse. Nach 16 Monaten als gefeierter Autor und gefragter, sich nicht scheuender Kommentator hat Yahya eine Welt kennengelernt, in der er auf ebensoviel Heuchelei gestoßen ist, wie in der Welt in der er groß geworden ist. Im politischen und gesellschaftlichen Leben nimmt Hassan insbesondere an Steuerhinterziehung und der Arroganz der dänischen Elite Anstoß. In einem Interview mit der dänischen Tageszeitung Politiken sagt er:

“Die [Elite] will nichts zu tun haben mit der muslimischen Unterklasse oder dem durchschnittlichen Dänen. Der durchschnittliche Däne ist der Elite scheißegal. Ihr geht es viel besser, zahlt aber einen Witz an Steuern, während der durchschnittliche Däne bezahlt und bezahlt.”

Auch mit Kritik an der politischen Klasse spart er nicht. In kürzlich veröffentlichen Beiträgen auf Hassans Facebookseite liefert er sich einen heftigen Schlagabtausch unter anderem mit zwei Parlamentsabgeordneten und einem Schriftsteller und prangert ihre Doppelmoral im Bezug auf Meinungsfreiheit an. Der Streit eskaliert und Yahya Hassan präsentiert den Parlamentsabgeordneten Henrik Dahl in einem manipulierten Foto in einer SS-Uniform, woraufhin ihm vorgeworfen wird, zu weit gegangen zu sein. Hassan dazu:

»Gilt Meinungsfreiheit und Satire nur dann wenn Mohammed mit einer brennenden Lunte und einer Bombe im Turban dargestellt wird? Was ist denn der Unterschied zu Henrik Dahl in SS-Uniform? Die Bombe impliziert, dass Muslime automatisch Terroristen sind, während die SS-Uniform impliziert, dass Rechte gleich Nazis sind. Beides ist verkehrt und das wollte ich durch meine Illustration darstellen.«

Dass Hassan einen empfindlichen Punkt getroffen hat, zeigt sich in den zahlreichen Diskussionen in den dänischen Medien. Hassan hingegen legte gerade erst los. In einem weiteren Facebook-Update veröffentlichte er ein Foto von sich und der ehemaligen Parteivorsitzenden der dänischen Rechtspopulistin Pia Kjærsgaard selbstironisch unter dem Titel: “Damals als mir Pia Kjærsgaard einen Blowjob anbot. Ich nahm das Angebot an, habe das Bild aber bisher nicht veröffentlicht, da ich fürchtete, dass die Leute glauben würden, dass es um mehr als nur Sex geht.” (siehe Facebook)

Daraufhin platzte dem dänischen Schriftsteller Knud Romer in einer Fernsehdebatte der Kragen. Mit hochrotem Kopf bezeichnet er Yahya Hassan als Kriminellen und sprachlichen Gewalttäter, der erbarmungslos Leute beleidigt. Dahingegen analysiert die Filmregisseurin Lotte Svendsen knallhart, dass Hassans Online-Aktivitäten nur ein gewolltes Spiegelbild der vulgären Beleidigungen sind, die in dänischen Medien im Namen der Meinungsfreiheit veröffentlicht werden.

Diese Analyse trifft genau den Punkt, den Hassan mit seinen öffentlichkeitswirksamen Äußerungen in den Fokus rücken möchte, überall erblickt er Heuchelei und möchte sie mit seinem Eifer bekämpfen und ebenfalls an den Pranger stellen. Vor nichts, selbst dem dänischen Königshaus, schreckt er zurück. Im Interview mit Politiken, sagt er:

“Was macht der dänische Kronprinz bei dieser verfickten Beerdigung in Saudi-Arabien? Dort sind weiß ich wie viele Menschen geköpft worden. Die machen dort genau das gleiche wie Islamische Staat. Aber wir haben dort ja Geschäftsinteressen. Das ist ein Beispiel für Heuchelei.”

Passend zur digitalen Kritik an der omnipräsenten Heuchelei, las Yahya Hassan vor kurzem ein neues Gedicht mit dem Titel Ich Veerrtraue Niemandem. In einer 26-minütigen Wortkaskade listet Hassan auf, wie, wem und was er nicht vertraut und schafft somit einen Ausdruck für die Angst nichts und niemandem vertrauen zu können.

Hassan macht also genau dort weiter, wo er mit seinem letzten Gedichtband aufgehört hat. Er polarisiert, kritisiert, provoziert, spiegelt und macht es allen unmissverständlich klar: Ich lasse mich von nichts und niemandem vereinnahmen.

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Pia Kjærsgaard teilte dem Fernsehsender TV2 übrigens als Reaktion auf das Foto folgendes mit: “Herrgott, er ist doch einfach nur ein krimineller größenwahnsinniger Migrant. Er will nichts als Aufmerksamkeit. (…) Ob er eine kalte Dusche benötigt? Ja, vielleicht – aber ich werde sie ihm nicht geben.”

 

Die gastfreundlichsten Menschen der Welt

Gemeinsam mit HIMATE habe ich Geschichten über Gastfreundschaft gesammelt. Die Kurzversion gibt’s heute noch hier – die langen werden nach und nach hier bei mir veröffentlicht.

Von Estland über Georgien nach Vietnam und Australien, nach Togo und weiter nach Norwegen und Deutschland.

Georgien

Slow travelling nennt Zane ihre Fortbewegungsart. Seit zweieinhalb Jahren ist sie unterwegs, ihr Zuhause in Lettland hat sie nur vergangene Weihnachten einmal kurz gesehen und ist dann wieder zurückgekehrt nach Bischkek, Kirgistan, wo sie momentan Kunst an einer internationalen Schule unterrichtet. Sie reist, weil das Leben so interessanter wird.

Tadschikistan, Georgien, Kirgisien, die Mongolei und Indien – viel ist sie herumgekommen und die meisten der Kilometer in Zentralasien wurden in einem alten russischen Minibus zurückgelegt. Über Stock und Stein ging es und Zane ist sich sicher, dass die gastfreundlichsten Menschen in Georgien leben.

“Die Georgier sind sehr religiös und als Gast wird man gerne mal als Geschenk Gottes angesehen”, sagt die 29-jährige und führt fort, “man wird wie ein König behandelt und niemand würde auch nur irgendwie auf die Idee kommen, Geld zu verlangen.”

So auch im Frühling 2013 als sich Zane und ihre vier Mitreisenden aus dem Iran, den USA, Großbritannien und Georgien mit eben jenem Bus auf matschigen Straßen zu einem alten Kloster im Algeti Nationalpark aufmachten und stecken blieben.

Der Minibus der Reisenden, die Handbremse wurde durch Steine ersetzt.  Foto von Zane Siliņa
Der Minibus der Reisenden, die Handbremse wurde durch Steine ersetzt.
Foto: von Zane Siliņa

“Wir haben selber versucht, das Auto freizuschaufeln, waren aber nicht sehr erfolgreich”, erzählt Zane. Also entschieden sie sich in das Dorf zurückzulaufen, das cirka zwanzig Minuten zu Fuß entfernt lag. Im Dorf angekommen traf der bunte Haufen auf Vazha, der geschäftig vor seinem Haus herumeilte. Sie baten ihn um Hilfe und er?

“Anfangs hat er uns erst einmal beschimpft, da er sich nicht erklären konnte, was wir hier verloren haben, im nächsten Augenblick hatte er uns aber bereits in sein Haus eingeladen.” Zane und ihre Reisegefährten blieben jedoch nicht die einzigen Gäste. Vazha sorgte dafür, dass ein Großteil des Dorfes zur Runde stieß. Außerdem stellte er den Reisenden Levan vor, der sich um das Auto kümmern würde.

“Levan hatte allerdings schon zu viel getrunken, deswegen konnte er uns an diesem Tag nicht mehr helfen. Wir feierten also mit dem Dorf und tranken weißen Wein aus riesigen fünf Literflaschen. Vazha hieß uns so herzlich willkommen in seinem Holzhaus und teilte den Männern und Frauen unter uns jeweils ein Zimmer zu. So blieben wir über Nacht”, erzählt Zane begeistert.

Vazha schenkt seinen Gästen Weißwein ein - Foto Zane Siliņa
Vazha schenkt seinen Gästen Weißwein ein. Foto: Zane Siliņa

Am nächsten Morgen trauten die fünf dann kaum ihren Augen. Levan hatte sich nach wenig Schlaf früh vor dem Aufstehen aller anderen auf den Weg gemacht, um den Bus eigenhändig freizuschaufeln. Das Auto war wieder fahrtüchtig und zur Feier des Tages wollte Vazha seine Gäste davon überzeugen, noch eine weitere Nacht zu bleiben: “Er wollte ein Schwein schlachten”, lacht Zane. Bleiben konnten sie allerdings nicht. Das Kloster haben sie auch nie erreicht, dafür haben sie echte georgische Gastfreundschaft erlebt.

 

P.S.: Wegen der kaputten Bremsen rutschte der Minibus übrigens in Kirgisien über einen Abhang zehn Meter in die Tiefe. Was normalerweise nur in Filmen passiert widerfuhr Zane und ihren Freunden. Sie konnte noch aus dem Auto springen und die anderen zogen sich glücklicherweise keine ernsthaften verletzungen zu!

Geschichten, die euch noch erwarten:

Mia in Tasmanien

Kathrin in Oslo

Robert in Togo

Hier findet eine Geschichte aus Estland und hier aus Vietnam.

Glückliche Herzen, volle Mägen und geflickte Reifen

Gemeinsam mit HIMATE habe ich Geschichten über Gastfreundschaft gesammelt. Die Kurzversion gibt’s heute noch hier – die langen werden nach und nach hier bei mir veröffentlicht.

Von Estland über Georgien nach Vietnam und Australien, nach Togo und weiter nach Norwegen und Deutschland.

Vietnam

25 Länder hat sie in den letzten vier Jahren bereist und sie ist keineswegs müde davon. Ginger Kern self-made woman aus den USA macht ihre Leidenschaft zur Profession und will ihre Mitbürger zum Reisen animieren: “Reisen bedeutet alles für mich, da ich so sehr davon profitiere. Ich kann verschiedene Lebens- und Ausdrucksformen kennenlernen. Reisen bedeutet Entdecken, aber auch Selbstverwirklichung und -entwicklung für mich.”

Ginger Kern: Gastfreundschaft kann so einfach sein
Ginger Kern: Gastfreundschaft kann so einfach sein

Dreieinhalb Jahre studierte und arbeitete Ginger in Deutschland, erst als Austauschstudentin, dann als Fulbright-Stipendiatin an einer Schule in Laubach, Hessen und danach im Bereich Kommunikation und Publishing in Frankfurt. Von Deutschland aus entdeckte sie Europa, doch bald zog es sie weiter nach Südostasien. “Ich war auf der Suche nach einem Ort, an dem die Menschen nicht so distanziert sind. Außerdem wollte ich Sonne und spannendes, würziges und frisches Essen probieren und all das habe ich Thailand, Kambodscha und Vietnam gefunden” , erzählt sie lächelnd.

Im Rahmen einer längeren Südostasien Reise besuchte Ginger 2014 Vietnam für zwei Wochen. Einen Nachmittag verbrachte sie mit einem Freund an einem Strand auf der Insel Phu Quoc. Während sie verträumt in den Sonneruntergang blickten und die Seele baumeln ließen, vergaßen sie die Zeit.

“Als wir uns wieder mit unserem Moped auf den Weg machten, waren bereits die Sterne am Himmel zu sehen. Die Gegend ist sehr ländlich geprägt und wenige Menschen leben dort. Natürlich musste gerade dort etwas passieren”, lacht sie und erzählt weiter, “ein Reifen unseres Mopeds platzte und wir wussten erst einmal nicht weiter.” Die beiden entschieden sich dafür, die Ruhe zu bewahren und begannen, das Moped durch die Dunkelheit zu schieben, bis sie auf eine kleine Hütte stießen. Die Hütte wurde offensichtlich von einer kleinen Familie bewohnt und die Gestrandeten, die nur Hallo, Bitte und Danke in Vietnamesisch sagen konnten, baten gestenreich um Hilfe.

“Ich sprach sie mit einem breiten Lächeln an, zeigte auf den Hinterreifen, zeichnete eine Zahl in den Sand, um zu zeigen, dass ich bereit bin für die Hilfe zu bezahlen und dann ging alles ganz schnell”, sagt Ginger rückblickend. Der Mann machte sich sofort an die Arbeit und die Frau lud Ginger und ihren Freund in die Hütte ein. Sie setzten sich und die Frau servierte den beiden ein leckeres Abendessen. Während des Essens erschien die Tochter, die in der Schule bereits ein bisschen Englisch gelernt hatte.

Sonnenuntergang bei dem man die Zeit vergisst. Foto: Ginger Kern
Sonnenuntergang in Phu Quoc, Vietnam. Foto: Ginger Kern

“Sie erzählte uns, dass sie neun Jahre alt sei und war so stolz darauf, mit mir der Amerikanerin und meinem Freund, einem Deutschen Englisch sprechen zu können. Die gesamte Situation war zugleich unwirklich und atemberaubend schön. Nach einer Stunde verließen wir die Hütte mit frohen Herzen, vollen Mägen und einem geflickten Reifen.”

Dieses Erlebnis bestärkt Ginger in der Annahme, dass Gastfreundschaft bedeutet, sich um Menschen zu kümmern, wenn man selber die Möglichkeit dazu hat. Gleichzeitig bedeutet Gastfreundschaft aber auch, es Menschen einfach zu machen einem selbst zu helfen. “Man zeigt Menschen was man braucht und bietet ihnen etwas im Gegenzug an. Ich glaube nicht, dass man in einer außergewöhnlichen Situation sein muss, um Gastfreundschaft erleben zu können” erklärt sie.

Auch in Boulder, Colorado, wo Ginger jetzt lebt, folgt sie diesem Verständnis von Gastfreundschaft und hilft gerne Menschen, die neu in der Stadt sind und Kontakt suchen. Letzten Endes bedeutet Ginger zufolge Gastfreundschaft doch einfach seinen Alltag zu teilen und Menschen willkommen zu heißen.

Ginger Kern ist Rednerin, Coach und Optimistin. Ursprünglich kommt sie aus dem Mittleren Westen, im Alter von vierzehn Jahren begann sie jedoch, inspiriert von einer Reise nach Italien, damit Pläne für ein Leben in Europa zu schmieden.  Bevor sie als Fulbright-Stipendiation nach Deutschland kam, studierte sie Deutsch, Französisch und Italienisch, 
 
Nach drei Jahren Arbeit im Ausland und Reisen in 25 Länder kehrte sie in die USA zurück. Jetzt lebt sie in Boulder, Colorado, und ist ein Global Shaper des Weltwirtschaftsforums. Sie ist die Gründerin der Plattform Traveler’s Mindset, die sich vorgenommen hat Amerikaner für das Reisen, Offenheit, Neugierde und Abenteuerlust zu begeistern.
 

Geschichten, die euch noch erwarten:

Mia in Tasmanien

Kathrin in Oslo

Robert in Togo

Hier findet ihr eine Geschichte aus Estland und hier aus Georgien.


Eiseskälte und ein kaputter Zug

Gemeinsam mit HIMATE habe ich Geschichten über Gastfreundschaft gesammelt. Die Kurzversion gibt’s heute noch hier – die langen werden nach und nach hier bei mir veröffentlicht.

Von Estland über Georgien nach Vietnam und Australien, nach Togo und weiter nach Norwegen und Deutschland.

Estland

Mit der Zeit wird jedem Autofahrer das Rattern der Güterzüge in Estland und Lettland zu einem vertrauten Geräusch. Die schier endlosen Züge, die in der Regel voll mit Öl beladen aus Russland kommen oder eben leergetankt in die andere Richtung fahren, fahren in recht gemütlichem Tempo über die Gleise und ganz plötzlich hat man viel Zeit.

Ein entsprechend gemütliches Reisemittel sind demnach auch die Passagierzüge. Zeit spielt in der Regel keine Rolle auf den Schienen zwischen der lettischen Hauptstadt Riga und dem estnischen Tartu. Fünf Stunden für 250 Kilometer inklusive eines Umstiegs in die estnische Bahn am Bahnhof der Grenzstadt Valga. Aufgrund des günstigen Fahrpreises und meiner Nostalgie nahm ich die Dauer jedoch gerne in Kauf. Dennoch wollte ich gerne pünktlich mit meinen lettischen Gästen Zane, Liva und Gunta auf meiner eigenen Party in Tartu aufschlagen. Und dann das: Lettisch- und russischsprachige Durchsagen, hilfesuchende Blicke meinerseits und ein abrupter Stopp in Ieriki eine Stunde hinter Riga.

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Eiskaltes Ieriki. Foto: Tobias J. Koch

Es ging nicht weiter. Der Zug hatte eine Macke, die sich nicht vor Ort würde beheben lassen. Ein Ersatzzug musste her. Zwei Probleme: Erstens, der Ersatzzug musste erst in Riga losfahren, um uns wieder auf die Strecke zu bringen. Zweitens, die Zugverbindung nach Tartu wird nur zweimal pro Tag angeboten und wir hatten die Nachmittagsfahrt gewählt. Sprich kein Anschlusszug im estnischen Valga. Unsere Erschütterung hielt sich anfangs in Grenzen, mit der Zeit verflog unser Optimismus jedoch, denn im Zuginneren war es nicht viel wärmer als in der eisigen Winterluft draußen.

Mit cirka zweistündiger Verspätung kamen wir mit dem Ersatzzug im stockdunklen Valga an und verpassten wie zu erwarten den Anschlusszug. Typisch Deutsch und verwöhnt wie ich bin, bat ich meine Partygäste darum, die Schaffnerin zu fragen, ob uns die lettische Bahngesellschaft eine Taxifahrt erstattet. Bei einem Fahrtpreis von umgerechnet ca. 4,5 € ließen sich aber keine 100 € für eine Taxifahrt nach Tartu rechtfertigen. Alternativen? Keine. Der einzige Überlandbus, der noch fuhr, nahm keine weiteren Fahrgäste auf und so standen wir hilflos in Valga. Die Party würde einfach ohne mich stattfinden müssen.

Dann der brilliante Einfall. Meinen einzigen Kumpel in Tartu mit Auto, Lemmit, anrufen! Und tatsächlich, mein Partygast fuhr die 80 Kilometer nach Valga, wir drängten uns nach einem Imbiss beim lokalen Chinamann in seine orangene Konservendose und fuhren zu meiner Party. Riga Balsam hatten wir im Gepäck und Lemmit hatte zweifellos einen großen Schluck verdient. Äitah!

Geschichten, die euch noch erwarten:

Mia in Tasmanien

Kathrin in Oslo

Robert in Togo

Hier findet ihr eine Geschichte aus Vietnam und hier aus Georgien.

Putting focus on the Baltic Sea and its literature

Let me draw your attention to an interview I did about a year ago with Mr. Klaus-Jürgen Liedtke, the head of the Baltic Sea Library, for the Onebsr project.

Not too far from my own home in Berlin lives Klaus-Jürgen Liedtke, writer, translator and head of the literature project “Baltic Sea Library”*. We meet on a grey, rainy afternoon in his appartment, have coffee at the kitchen window and talk about Liedtke’s relation to the Baltic Sea and the ambition that drives his engagement for literature from the region.

Tobias Koch: Dear Mr. Liedtke – before we start I would like to kindly ask you to present yourself in a few own words to our readers.

Klaus-Jürgen Liedtke: I was born in the Baltic Sea Region, in Schleswig-Holstein in a small village close to the Danish border. After studying German, Scandinavian, English and American philology in Kiel, Uppsala and Berlin I started working as a translator from Swedish to German in 1975. In the late 70′s I went to live in Turku for five years and became part of the editorial team of the literary annual “Trajekt” and was in charge of the Finland-Swedish part. My international Baltic Sea Region activities started in that period and I got the chance to start spearheading projects. In 1992 there was the legendary cruise of writers „Baltic Waves“. 400 writers from all over the region came together and travelled for two weeks all around the Baltic from Saint Petersburg to Sweden and back. I joined the cruise and one year later the Baltic Centre for Writers and Translators in Visby, Sweden was founded. From 1997 onwards I participated in the annual meetings of the Baltic Writers’ Council in Visby, which I became head of in 2005. As I met many writers from all over the region, we all realized that there was little that we knew about the literature of our respective origins. We began to focus on the Baltic Sea and from the end of the 90’s onwards the idea of a Baltic Sea Library began to take shape.

TK: Nevertheless it took about ten years to establish the library?

KJL: Yes, that was mostly a matter of finding the right people and editors. I wanted to have a great team of younger and older men and women. Also finding editors from all over the region was difficult.

TK: How would you describe the work of the Baltic Sea Library?

KJL: Right now we are 15 people with different professional backgrounds, that are the editorial team. Unfortunately we meet too rarely. Last time all the editors met in 2011 – so our work is not as continous as I imagine it to be. Initially we all chose three most important texts, that were to be published on the platform. There are many ideas, wishes and potential for what texts we want to publish. For instance among our 300 texts, there is no text written by Swedish August Strindberg. That is something we need to tackle.

TK: What are the difficulties in your work?

KJL: Publishing translations is always a question about purchasing the respective rights. Not all texts are easily available or affordable. We try our best getting the texts we want and still respect the criteria of selecting texts that deal with other people, countries of the region or with the Baltic itself. We also try to select texts that are forming an echo to other publications or events. When I worked as an editor at “Trajekt” I learned for instance, that there are poems from Estonia functioning as responses to Bertolt Brecht’s escape to Denmark, Sweden and Finland. They seem to be really interesting and we would like to include these in the library!  

At this point we start losing ourselves in talking about Brecht and his refuge in Svendborg and Helsinki,Mati Unt’s processing of Brecht’s life in Finland in “Brecht ilmub öösel” and the misconceptions of Brecht’s life as a refugee. We somehow get on track again …

You want more? Read the full interview at: http://newswave.eu/putting-focus-baltic-sea-literature/

One Baltic Sea Trip

I have a past as a Baltic Sea Region blogger. I admit it. The Onebsr project contributed a fair share to my fascination for the Baltic Sea Region. Part of it was a trip to Warsaw, Helsinki and Tallinn with my fellow bloggers. Take a look at the video or check out my story on storify.com

https://storify.com/trohokro/experience-bsr-trip