Baltic summer of beatpoetry

Last year I performed twice with the Danish beatpoet Claus Høxbroe and the pianist Oscar Gilbert in Berlin and Kiel, Germany. The literature venue Literaturhaus Schleswig Holstein has now invited the two to participate in their annual festival “Summer of literature” focussing on Danish literature. They will perform four times and I will join them twice as translator / performer. There will be new texts from Claus’ recent “Duerne lurer fra oven” and some unpublished work plus of course NEW Translations, fresh impros, and a lot of Jazz. Plus we’re currently working on a surprise!

Spread the word, come by and let’s have some great nights of beatpoetry!

Check out the dates and Facebook-Events:

18th August 2015 in Kiel-Friedrichsort, w. translation

19th August 2015 in Eckernförde, danish only

20th August 2015 in Flensburg, danish only

21th August 2015 in Friedrichsstadt, w. translation

 

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Yahya Hassan und Die Angst nichts und niemandem vertrauen zu können

Seit dem Erscheinen seines Gedichtbandes “Yahya Hassan” im Jahr 2013 ist der Dichter Yahya Hassan ein Phänomen in Dänemark. Mit einer unglaublichen Energie hat er Gedichte geschrieben, die er landauf und -ab seinen Zuhörer_innen und Leser_innen entgegen schmetterte. Heute ist der 19-jährige Dichter nicht mehr aus der dänischen Öffentlichkeit wegzudenken, sein erster Gedichtband wurde über 100000-mal verkauft und nun nutzt er seine Bekanntheit, um Missstände in der dänischen Gesellschaft anzusprechen.

Seine Gedichte und Aussagen im Fernsehen, die sich unter anderem durch eine nie zuvor von einem Muslim gesehene Kritik an anderen Muslimen und dem Islam auszeichnen, sorgten für heftige Reaktionen und Drohungen. Letztlich führten sie sogar dazu, dass Hassan seit 2013 rund um die Uhr von Leibwächtern des dänischen Inlandsnachrichtendienstes PET bewacht wird. Der soziale Brennpunkt Trillegården in Århus in dem Hassan groß geworden ist, rückte in den Fokus der Öffentlichkeit und der ‘antiislamische’ Dichter wurde schnell vom rechten Flügel in Dänemark als Posterboy der Islamkritik auserkoren.

Instrumentalisieren lassen will sich Hassan jedoch nicht, schließlich geht es in seinen Texten nicht um eine Fundamentalkritik des Islam, sondern vielmehr um eine Auseinandersetzung mit seiner Herkunft in einem Umfeld, in dem Hassan viel Heuchelei und Scheinheiligket begegnet ist. Nach außen wird der Glauben gepredigt, doch hinter dem Rücken verliert der Glauben und die damit einhergehenden Werte an Bedeutung.

Der 19-jährige Dichter Yahya Hassan sorgt für Aufruhr in Dänemark. Foto: Wikimedia

Die Vertreter des rechten Flügels in Dänemark hingegen, die Yahya Hassan mit dem Erscheinen seines Buches gleich vereinnahmen wollten, dürften sich heute gehörig auf die Zunge beißen, denn Hassan macht keine Kompromisse. Nach 16 Monaten als gefeierter Autor und gefragter, sich nicht scheuender Kommentator hat Yahya eine Welt kennengelernt, in der er auf ebensoviel Heuchelei gestoßen ist, wie in der Welt in der er groß geworden ist. Im politischen und gesellschaftlichen Leben nimmt Hassan insbesondere an Steuerhinterziehung und der Arroganz der dänischen Elite Anstoß. In einem Interview mit der dänischen Tageszeitung Politiken sagt er:

“Die [Elite] will nichts zu tun haben mit der muslimischen Unterklasse oder dem durchschnittlichen Dänen. Der durchschnittliche Däne ist der Elite scheißegal. Ihr geht es viel besser, zahlt aber einen Witz an Steuern, während der durchschnittliche Däne bezahlt und bezahlt.”

Auch mit Kritik an der politischen Klasse spart er nicht. In kürzlich veröffentlichen Beiträgen auf Hassans Facebookseite liefert er sich einen heftigen Schlagabtausch unter anderem mit zwei Parlamentsabgeordneten und einem Schriftsteller und prangert ihre Doppelmoral im Bezug auf Meinungsfreiheit an. Der Streit eskaliert und Yahya Hassan präsentiert den Parlamentsabgeordneten Henrik Dahl in einem manipulierten Foto in einer SS-Uniform, woraufhin ihm vorgeworfen wird, zu weit gegangen zu sein. Hassan dazu:

»Gilt Meinungsfreiheit und Satire nur dann wenn Mohammed mit einer brennenden Lunte und einer Bombe im Turban dargestellt wird? Was ist denn der Unterschied zu Henrik Dahl in SS-Uniform? Die Bombe impliziert, dass Muslime automatisch Terroristen sind, während die SS-Uniform impliziert, dass Rechte gleich Nazis sind. Beides ist verkehrt und das wollte ich durch meine Illustration darstellen.«

Dass Hassan einen empfindlichen Punkt getroffen hat, zeigt sich in den zahlreichen Diskussionen in den dänischen Medien. Hassan hingegen legte gerade erst los. In einem weiteren Facebook-Update veröffentlichte er ein Foto von sich und der ehemaligen Parteivorsitzenden der dänischen Rechtspopulistin Pia Kjærsgaard selbstironisch unter dem Titel: “Damals als mir Pia Kjærsgaard einen Blowjob anbot. Ich nahm das Angebot an, habe das Bild aber bisher nicht veröffentlicht, da ich fürchtete, dass die Leute glauben würden, dass es um mehr als nur Sex geht.” (siehe Facebook)

Daraufhin platzte dem dänischen Schriftsteller Knud Romer in einer Fernsehdebatte der Kragen. Mit hochrotem Kopf bezeichnet er Yahya Hassan als Kriminellen und sprachlichen Gewalttäter, der erbarmungslos Leute beleidigt. Dahingegen analysiert die Filmregisseurin Lotte Svendsen knallhart, dass Hassans Online-Aktivitäten nur ein gewolltes Spiegelbild der vulgären Beleidigungen sind, die in dänischen Medien im Namen der Meinungsfreiheit veröffentlicht werden.

Diese Analyse trifft genau den Punkt, den Hassan mit seinen öffentlichkeitswirksamen Äußerungen in den Fokus rücken möchte, überall erblickt er Heuchelei und möchte sie mit seinem Eifer bekämpfen und ebenfalls an den Pranger stellen. Vor nichts, selbst dem dänischen Königshaus, schreckt er zurück. Im Interview mit Politiken, sagt er:

“Was macht der dänische Kronprinz bei dieser verfickten Beerdigung in Saudi-Arabien? Dort sind weiß ich wie viele Menschen geköpft worden. Die machen dort genau das gleiche wie Islamische Staat. Aber wir haben dort ja Geschäftsinteressen. Das ist ein Beispiel für Heuchelei.”

Passend zur digitalen Kritik an der omnipräsenten Heuchelei, las Yahya Hassan vor kurzem ein neues Gedicht mit dem Titel Ich Veerrtraue Niemandem. In einer 26-minütigen Wortkaskade listet Hassan auf, wie, wem und was er nicht vertraut und schafft somit einen Ausdruck für die Angst nichts und niemandem vertrauen zu können.

Hassan macht also genau dort weiter, wo er mit seinem letzten Gedichtband aufgehört hat. Er polarisiert, kritisiert, provoziert, spiegelt und macht es allen unmissverständlich klar: Ich lasse mich von nichts und niemandem vereinnahmen.

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Pia Kjærsgaard teilte dem Fernsehsender TV2 übrigens als Reaktion auf das Foto folgendes mit: “Herrgott, er ist doch einfach nur ein krimineller größenwahnsinniger Migrant. Er will nichts als Aufmerksamkeit. (…) Ob er eine kalte Dusche benötigt? Ja, vielleicht – aber ich werde sie ihm nicht geben.”

 

Eiseskälte und ein kaputter Zug

Gemeinsam mit HIMATE habe ich Geschichten über Gastfreundschaft gesammelt. Die Kurzversion gibt’s heute noch hier – die langen werden nach und nach hier bei mir veröffentlicht.

Von Estland über Georgien nach Vietnam und Australien, nach Togo und weiter nach Norwegen und Deutschland.

Estland

Mit der Zeit wird jedem Autofahrer das Rattern der Güterzüge in Estland und Lettland zu einem vertrauten Geräusch. Die schier endlosen Züge, die in der Regel voll mit Öl beladen aus Russland kommen oder eben leergetankt in die andere Richtung fahren, fahren in recht gemütlichem Tempo über die Gleise und ganz plötzlich hat man viel Zeit.

Ein entsprechend gemütliches Reisemittel sind demnach auch die Passagierzüge. Zeit spielt in der Regel keine Rolle auf den Schienen zwischen der lettischen Hauptstadt Riga und dem estnischen Tartu. Fünf Stunden für 250 Kilometer inklusive eines Umstiegs in die estnische Bahn am Bahnhof der Grenzstadt Valga. Aufgrund des günstigen Fahrpreises und meiner Nostalgie nahm ich die Dauer jedoch gerne in Kauf. Dennoch wollte ich gerne pünktlich mit meinen lettischen Gästen Zane, Liva und Gunta auf meiner eigenen Party in Tartu aufschlagen. Und dann das: Lettisch- und russischsprachige Durchsagen, hilfesuchende Blicke meinerseits und ein abrupter Stopp in Ieriki eine Stunde hinter Riga.

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Eiskaltes Ieriki. Foto: Tobias J. Koch

Es ging nicht weiter. Der Zug hatte eine Macke, die sich nicht vor Ort würde beheben lassen. Ein Ersatzzug musste her. Zwei Probleme: Erstens, der Ersatzzug musste erst in Riga losfahren, um uns wieder auf die Strecke zu bringen. Zweitens, die Zugverbindung nach Tartu wird nur zweimal pro Tag angeboten und wir hatten die Nachmittagsfahrt gewählt. Sprich kein Anschlusszug im estnischen Valga. Unsere Erschütterung hielt sich anfangs in Grenzen, mit der Zeit verflog unser Optimismus jedoch, denn im Zuginneren war es nicht viel wärmer als in der eisigen Winterluft draußen.

Mit cirka zweistündiger Verspätung kamen wir mit dem Ersatzzug im stockdunklen Valga an und verpassten wie zu erwarten den Anschlusszug. Typisch Deutsch und verwöhnt wie ich bin, bat ich meine Partygäste darum, die Schaffnerin zu fragen, ob uns die lettische Bahngesellschaft eine Taxifahrt erstattet. Bei einem Fahrtpreis von umgerechnet ca. 4,5 € ließen sich aber keine 100 € für eine Taxifahrt nach Tartu rechtfertigen. Alternativen? Keine. Der einzige Überlandbus, der noch fuhr, nahm keine weiteren Fahrgäste auf und so standen wir hilflos in Valga. Die Party würde einfach ohne mich stattfinden müssen.

Dann der brilliante Einfall. Meinen einzigen Kumpel in Tartu mit Auto, Lemmit, anrufen! Und tatsächlich, mein Partygast fuhr die 80 Kilometer nach Valga, wir drängten uns nach einem Imbiss beim lokalen Chinamann in seine orangene Konservendose und fuhren zu meiner Party. Riga Balsam hatten wir im Gepäck und Lemmit hatte zweifellos einen großen Schluck verdient. Äitah!

Geschichten, die euch noch erwarten:

Mia in Tasmanien

Kathrin in Oslo

Robert in Togo

Hier findet ihr eine Geschichte aus Vietnam und hier aus Georgien.