Glückliche Herzen, volle Mägen und geflickte Reifen

Gemeinsam mit HIMATE habe ich Geschichten über Gastfreundschaft gesammelt. Die Kurzversion gibt’s heute noch hier – die langen werden nach und nach hier bei mir veröffentlicht.

Von Estland über Georgien nach Vietnam und Australien, nach Togo und weiter nach Norwegen und Deutschland.

Vietnam

25 Länder hat sie in den letzten vier Jahren bereist und sie ist keineswegs müde davon. Ginger Kern self-made woman aus den USA macht ihre Leidenschaft zur Profession und will ihre Mitbürger zum Reisen animieren: “Reisen bedeutet alles für mich, da ich so sehr davon profitiere. Ich kann verschiedene Lebens- und Ausdrucksformen kennenlernen. Reisen bedeutet Entdecken, aber auch Selbstverwirklichung und -entwicklung für mich.”

Ginger Kern: Gastfreundschaft kann so einfach sein
Ginger Kern: Gastfreundschaft kann so einfach sein

Dreieinhalb Jahre studierte und arbeitete Ginger in Deutschland, erst als Austauschstudentin, dann als Fulbright-Stipendiatin an einer Schule in Laubach, Hessen und danach im Bereich Kommunikation und Publishing in Frankfurt. Von Deutschland aus entdeckte sie Europa, doch bald zog es sie weiter nach Südostasien. “Ich war auf der Suche nach einem Ort, an dem die Menschen nicht so distanziert sind. Außerdem wollte ich Sonne und spannendes, würziges und frisches Essen probieren und all das habe ich Thailand, Kambodscha und Vietnam gefunden” , erzählt sie lächelnd.

Im Rahmen einer längeren Südostasien Reise besuchte Ginger 2014 Vietnam für zwei Wochen. Einen Nachmittag verbrachte sie mit einem Freund an einem Strand auf der Insel Phu Quoc. Während sie verträumt in den Sonneruntergang blickten und die Seele baumeln ließen, vergaßen sie die Zeit.

“Als wir uns wieder mit unserem Moped auf den Weg machten, waren bereits die Sterne am Himmel zu sehen. Die Gegend ist sehr ländlich geprägt und wenige Menschen leben dort. Natürlich musste gerade dort etwas passieren”, lacht sie und erzählt weiter, “ein Reifen unseres Mopeds platzte und wir wussten erst einmal nicht weiter.” Die beiden entschieden sich dafür, die Ruhe zu bewahren und begannen, das Moped durch die Dunkelheit zu schieben, bis sie auf eine kleine Hütte stießen. Die Hütte wurde offensichtlich von einer kleinen Familie bewohnt und die Gestrandeten, die nur Hallo, Bitte und Danke in Vietnamesisch sagen konnten, baten gestenreich um Hilfe.

“Ich sprach sie mit einem breiten Lächeln an, zeigte auf den Hinterreifen, zeichnete eine Zahl in den Sand, um zu zeigen, dass ich bereit bin für die Hilfe zu bezahlen und dann ging alles ganz schnell”, sagt Ginger rückblickend. Der Mann machte sich sofort an die Arbeit und die Frau lud Ginger und ihren Freund in die Hütte ein. Sie setzten sich und die Frau servierte den beiden ein leckeres Abendessen. Während des Essens erschien die Tochter, die in der Schule bereits ein bisschen Englisch gelernt hatte.

Sonnenuntergang bei dem man die Zeit vergisst. Foto: Ginger Kern
Sonnenuntergang in Phu Quoc, Vietnam. Foto: Ginger Kern

“Sie erzählte uns, dass sie neun Jahre alt sei und war so stolz darauf, mit mir der Amerikanerin und meinem Freund, einem Deutschen Englisch sprechen zu können. Die gesamte Situation war zugleich unwirklich und atemberaubend schön. Nach einer Stunde verließen wir die Hütte mit frohen Herzen, vollen Mägen und einem geflickten Reifen.”

Dieses Erlebnis bestärkt Ginger in der Annahme, dass Gastfreundschaft bedeutet, sich um Menschen zu kümmern, wenn man selber die Möglichkeit dazu hat. Gleichzeitig bedeutet Gastfreundschaft aber auch, es Menschen einfach zu machen einem selbst zu helfen. “Man zeigt Menschen was man braucht und bietet ihnen etwas im Gegenzug an. Ich glaube nicht, dass man in einer außergewöhnlichen Situation sein muss, um Gastfreundschaft erleben zu können” erklärt sie.

Auch in Boulder, Colorado, wo Ginger jetzt lebt, folgt sie diesem Verständnis von Gastfreundschaft und hilft gerne Menschen, die neu in der Stadt sind und Kontakt suchen. Letzten Endes bedeutet Ginger zufolge Gastfreundschaft doch einfach seinen Alltag zu teilen und Menschen willkommen zu heißen.

Ginger Kern ist Rednerin, Coach und Optimistin. Ursprünglich kommt sie aus dem Mittleren Westen, im Alter von vierzehn Jahren begann sie jedoch, inspiriert von einer Reise nach Italien, damit Pläne für ein Leben in Europa zu schmieden.  Bevor sie als Fulbright-Stipendiation nach Deutschland kam, studierte sie Deutsch, Französisch und Italienisch, 
 
Nach drei Jahren Arbeit im Ausland und Reisen in 25 Länder kehrte sie in die USA zurück. Jetzt lebt sie in Boulder, Colorado, und ist ein Global Shaper des Weltwirtschaftsforums. Sie ist die Gründerin der Plattform Traveler’s Mindset, die sich vorgenommen hat Amerikaner für das Reisen, Offenheit, Neugierde und Abenteuerlust zu begeistern.
 

Geschichten, die euch noch erwarten:

Mia in Tasmanien

Kathrin in Oslo

Robert in Togo

Hier findet ihr eine Geschichte aus Estland und hier aus Georgien.


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